Du schlenderst nichtsahnend durch die Stadt, mit einer schweren Einkaufstüte im Arm und einem Rest Lebensfreude im Blick, und plötzlich sitzt du fest. Nicht auf einer Parkbank, sondern in einem Gespräch. Einem dieser Gespräche, die anfangen wie ein Wetterbericht und enden wie ein ungebetener Podcast über das Jenseits.
Sie kommen leise. Ein Kompliment hier, ein „Heute ist’s aber heiß“ da und zack! Schon hast du den Köder geschluckt. Du hörst sie reden: Über Gott, das innere Kind, das Leiden der Menschheit und fragst dich leise, wann genau du eigentlich die Kontrolle verloren hast.
Und irgendwo mittendrin kommt dann die klassische Wendung: „Die anderen Schwestern wollen ja nie zuhören.“ Klar, sie sind immun. Wahrscheinlich geimpft, gegen spirituelle Übergriffigkeit.
Denn was anfangs nach tiefer Weisheit klingt, entpuppt sich schnell als in Weihrauch getränkte Einsamkeit. Und während du dich in den ersten Minuten noch ehrlich fragst, ob durch diese graue Erscheinung der Heilige Geist zu dir spricht, fragst du dich spätestens ab der fünfzehnten nur noch, ob es unhöflich ist, sich mit einem Hustanfall aus dem Gespräch zu entschuldigen.
Nach solchen Begegnungen ist man leer. Körperlich, seelisch, zeitlich. Der schön geplante Abend? Geschichte. Die To-do-Liste? Ein Witz. Alles, was bleibt, ist das Bedürfnis, sich den Geruch der Nähe herunterzuwaschen, die Erinnerung mit Netflix zu desinfizieren und einzuschlafen wie jemand, der mit enthaltenem Segen bedroht und ausgeraubt wurde.